Dartitis heißt: Du willst den Dart loslassen, und die Hand macht nicht mit. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein bekanntes Phänomen, das auch Weltklassespieler getroffen hat. Hier steht, was man heute darüber weiß und welche Wege Spieler gehen.
Kurz gesagt: Dartitis ist eine Blockade beim Abwurf: Der Pfeil lässt sich nicht im richtigen Moment lösen. Die Ursache ist nicht abschließend geklärt, diskutiert werden Druck und Selbstbeobachtung sowie eine neurologische Störung (fokale Dystonie). Mögliche Wege sind eine feste Routine, ein neu aufgebauter Wurf, sportpsychologische Unterstützung und bei körperlichen Beschwerden die ärztliche Abklärung. Eine Heilung kann niemand versprechen.
Was ist Dartitis?
Das Oxford English Dictionary beschreibt Dartitis als „a state of nervousness which prevents a player from releasing a dart at the right moment“. Das entspricht dem, was Spieler schildern: Die Wurfbewegung läuft, aber der Pfeil bleibt in den Fingern, kommt zu spät oder gar nicht. Der Begriff ist laut Wikipedia seit 1977 belegt und wurde 2007 in das Oxford English Dictionary aufgenommen.
Verwandt sind die „Yips“ aus dem Golf, wo kurze Putts plötzlich nicht mehr gelingen, sowie Schreibkrampf oder Musikerkrampf. Ob du es Dartitis oder Yips nennst, ist zweitrangig: Entscheidend ist, was du beim Abwurf erlebst.
Woran erkennst du Dartitis?
Dartitis beginnt selten mit dem totalen Aussetzer. Oft kommt sie schleichend. Ein Artikel von dartsnews.com beschreibt vier Stufen, die sich auch in Spielerberichten wiederfinden:
| Stufe | Wie es sich anfühlt |
|---|---|
| 1. Mikro-Zögern | Eine kaum merkliche Pause oben im Wurf, kurz vor der Vorwärtsbewegung. |
| 2. Festhalten | Die Finger geben den Dart nicht zum gewohnten Zeitpunkt frei. |
| 3. Zittern | Ein spürbarer Tremor in Hand oder Unterarm. |
| 4. Release-Fehler | Du kannst den Dart gar nicht mehr loslassen oder holst mehrfach aus. |
Weitere Anzeichen, die Fitbook unter Berufung auf Fachleute nennt: unterbrochener Wurfrhythmus, wiederholte Fehlansätze, Konzentrationsprobleme und der Griff zu ungewöhnlichen Wurftechniken.
Ein einzelner schlechter Abend ist keine Dartitis. Auffällig wird es, wenn die Blockade immer wieder an derselben Stelle auftritt, etwa auf Doubles oder in Spielen mit Zuschauern.
Welche bekannten Spieler hatten Dartitis?
Die folgenden Fälle sind öffentlich dokumentiert. Wir geben jeweils die Quelle an und werten sie nicht.
| Spieler | Zeitpunkt | Quelle |
|---|---|---|
| Eric Bristow | ab etwa 1987, Swedish Open | Wikipedia (mit Verweis auf Telegraph und Guardian) |
| Mark Webster | um 2014 | dartsnews.com, Bericht mit Webster-Zitaten |
| Nathan Aspinall | 2023, Premier League | Flashscore |
| Kevin Painter | 2024 | Wikipedia (mit Verweis auf BBC) |
Webster sagte laut dartsnews.com, er habe lange nicht von „Dartitis“ sprechen wollen, sondern von einem „technischen Problem“. Er betont dort, dass die Blockade keine mentale Schwäche sei, auch ein mental starker Spieler wie Bristow sei betroffen gewesen.
Formschwäche oder Dartitis?
| Merkmal | Normale Formschwäche | Dartitis |
|---|---|---|
| Wurfablauf | Läuft, nur die Treffer sind schlechter | Der Ablauf stockt, der Dart lässt sich nicht lösen |
| Verlauf | Schwankt von Tag zu Tag | Tritt wiederholt an derselben Stelle im Wurf auf |
| Auslöser | Müdigkeit, Material, Lustlosigkeit | Oft Druck, Zuschauer, wichtige Legs |
| Körperlich | Keine Auffälligkeiten | Teils Zittern oder Verkrampfen |
Die Tabelle ist eine Orientierung auf Basis der oben genannten Beschreibungen, keine Diagnose.
Woher kommt Dartitis?
Die Ursache ist nach heutigem Stand nicht abschließend geklärt. Zwei Erklärungsmodelle stehen nebeneinander, und sie schließen sich nicht aus.
Psychologisch: Druck und Selbstbeobachtung
Fitbook nennt zwei Theorien. Nach der Ablenkungstheorie überlastet Sorge in Drucksituationen das Arbeitsgedächtnis. Nach der Selbstfokus-Theorie lenkst du die Aufmerksamkeit im entscheidenden Moment auf die eigene Bewegung und störst damit einen eingeübten, automatischen Ablauf. Dartsnews.com beschreibt es so, dass das Nervensystem dich vor wahrgenommener Bedrohung schützen will, vor allem vor öffentlichem Scheitern.
Neurologisch: fokale Dystonie
Wikipedia führt Dartitis auch als Form einer fokalen Dystonie, einer Störung, bei der bestimmte Bewegungsabläufe unwillkürlich gestört sind. Zahlen aus dem Golf: Laut Wikipedia nennen Studien, darunter Smith et al. (2000), dass ein Viertel bis die Hälfte reifer Golfer Yips erlebt hat. Auf Darts lässt sich das nicht eins zu eins übertragen.
Wichtig für dich: Du kannst von außen nicht erkennen, welche Form bei dir vorliegt. Wer Zittern, Schmerzen oder andere körperliche Symptome bemerkt, sollte das abklären lassen.
Warum trifft es auch erfahrene Spieler?
Dartitis ist kein Anfängerproblem. Aus dem Golf wird berichtet, dass Spieler mit langer Spielerfahrung (über 25 Jahre) besonders anfällig für Yips sind. Für Darts gibt es solche Zahlen nicht, aber die dokumentierten Fälle zeigen, dass Titel und Routine nicht schützen. Dartsnews.com nennt als typische Auslöser Drucksituationen wie Entscheidungsspiele oder Fernsehauftritte. Je mehr ein Wurf zur Gewohnheit geworden ist, desto stärker kann es irritieren, wenn er plötzlich nicht mehr automatisch läuft.
Was kannst du bei Dartitis tun?
Es gibt keinen Weg, der garantiert funktioniert. Bei Spielern, die über ihre Blockade gesprochen haben, tauchen aber immer wieder dieselben Ansätze auf. Die Reihenfolge ist ein Vorschlag, keine Behandlung.
- Druck rausnehmen. Spiel eine Weile ohne Ergebnisdruck, etwa beim Training allein oder in lockeren Runden. Wer jeden Wurf als Prüfung erlebt, verstärkt den Selbstfokus.
- Feste Wurfroutine einführen. Dartsnews.com empfiehlt Pre-Wurf-Routinen und Atemtechniken, damit die Bewegung wieder automatisch läuft. Eine kurze, immer gleiche Abfolge (Stand, Atmen, Ziel, Wurf) gibt dem Kopf einen Rahmen.
- Wurf neu aufbauen. Eine bewusst veränderte Bewegung kann helfen, den belasteten Ablauf zu verlassen, muss es aber nicht. Baue Stand, Griff und Wurfbewegung in kleinen Schritten neu auf. Eine Anleitung zu den Grundlagen steht in unserem Darts-Training.
- Sportpsychologische Unterstützung. Ein Sportpsychologe arbeitet mit dir an Aufmerksamkeit, Druck und Routinen. Bei den Golf-Yips werden laut Wikipedia unter anderem sportpsychologische Therapie und eine Trainingspause eingesetzt, die Erfolge sind begrenzt. Kevin Painter hat laut Wikipedia Hypnotherapie versucht, die zunächst half, bis die Blockade zurückkam.
- Ärztliche Abklärung bei körperlichen Symptomen. Treten Zittern, Krämpfe oder Taubheit auch außerhalb des Dartens auf, etwa beim Schreiben, gehört das zum Arzt oder zur Ärztin, am besten zur Neurologie.
So kann eine Mini-Routine aussehen
Die Reihenfolge ist ein Vorschlag aus allgemeinem Trainerwissen, keine belegte Therapie. Wichtig ist, dass sie kurz, immer gleich und für dich machbar ist.
- Beide Füße fest einnehmen, den Stand bewusst spüren.
- Einmal ruhig ausatmen.
- Das Ziel anschauen und den Pfeil ruhig anheben.
- Den Wurf ohne Zögern durchführen und dem Dart nachschauen.
Beginne die Routine in Situationen ohne Druck und übernimm sie erst später ins Match.
Reden hilft
Mark Webster und Nathan Aspinall haben öffentlich über ihre Blockaden gesprochen. Aspinall sagte laut Flashscore, er habe „den Kopf verloren“. Wer mit Trainer, Mannschaft oder Familie spricht, nimmt der Blockade einen Teil der Scham und holt Rat, bevor sich das Muster festsetzt.
Was du lieber nicht erwartest
Ein neues Equipment löst das Problem in der Regel nicht. Aus dem Golf wird berichtet, dass ein Wechsel von Schläger oder Griff nur vorübergehend entlastet. Wenn du dennoch Gewicht oder Barrel ausprobieren willst, hilft dir der Dartpfeil-Finder, systematisch und ohne Zufallskauf vorzugehen.
Was können Mitspieler und Trainer tun?
Wer im Verein oder in der Familie Dartitis bemerkt, sollte keinen zusätzlichen Druck aufbauen. Hilfreich ist, den Spieler ohne Kommentar zu Ende werfen zu lassen, im Training Übungen ohne Ergebnisdruck anzubieten und ein Gespräch anzubieten, wenn er es möchte. Rat wie „entspann dich“ bringt meist nichts, weil die Anspannung gerade nicht freiwillig ist.
Wann sollst du Hilfe holen?
Such dir Unterstützung, wenn die Blockade länger als ein paar Wochen anhält, dir den Spaß am Spiel nimmt oder sich auf andere Bewegungen ausweitet. Ein Trainer im Verein ist ein guter erster Ansprechpartner, bei körperlichen Beschwerden die Hausarztpraxis. Für diese Seite gilt: Sie ersetzt keine Diagnose und keine Therapie.
Was dazu passt
Wenn du deinen Wurf gerade neu aufbaust, hilft der Überblick im Trainingsplan mit festen, kurzen Einheiten. Für die Regeln, die du beim Neustart ohne Zusatzdruck wieder durchspielen kannst, gibt es die Darts-Regeln. Passt dein Pfeil nicht mehr zu deinem Griff, hilft der Dartpfeil-Finder.
Häufige Fragen
Ist Dartitis eine Krankheit?
Eine einheitliche Antwort gibt es nicht. Wikipedia beschreibt Dartitis als psychischen Zustand, bringt sie aber auch mit fokaler Dystonie in Verbindung. Ob bei dir eher Druck oder eine neurologische Ursache vorliegt, kann nur eine fachliche Abklärung zeigen.
Was ist der Unterschied zwischen Dartitis und Yips?
Yips ist der Begriff aus dem Golf für plötzliche Bewegungsstörungen, vor allem beim Putten. Dartitis meint das Gleiche beim Pfeilwurf. Beide gelten als verwandt, die Grenzen zu anderen Blockaden wie dem „Target Panic“ im Bogenschießen sind fließend.
Geht Dartitis von selbst weg?
Das ist unterschiedlich. Eric Bristow hat laut dartsnews.com die Dartitis nie vollständig überwunden, Mark Webster sagt, er habe sein Selbstvertrauen nie wiedergefunden. Kevin Painter berichtet laut Wikipedia, dass eine zunächst wirksame Hypnotherapie die Blockade nicht dauerhaft löste. Verlass dich also nicht darauf, dass es von allein verschwindet.
Kann ich Dartitis vorbeugen?
Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht. Hilfreich sind eine feste Routine, kurze Trainingseinheiten, Pausen und ein Umgang mit Druck, der nicht jedes Spiel zur Prüfung macht. Wer die ersten Anzeichen bemerkt, sollte früh gegensteuern.
Hilft ein anderes Gewicht oder ein anderer Dart?
Manchmal verändert ein neues Gefühl den Kopf, das Problem löst es meist nicht. Aus den Golf-Yips wird berichtet, dass ein Wechsel des Equipments nur kurzzeitig hilft. Kläre zuerst Routine und Technik, dann das Material.
Betrifft Dartitis nur Profis?
Nein. Bekannt werden vor allem Fälle von Profis, weil sie öffentlich spielen und darüber sprechen. Die Beschreibungen von Symptomen und Auslösern, etwa Druck und Zuschauer, gelten aber auch im Verein und in der Freizeit. Auch dort lohnt es sich, früh auf Anzeichen zu achten.


